1. WER WIR SIND
Allie Fritz, Director of Interpretations bei Lionbridge

Meet the Pride: Allie Fritz

Director of Interpretations bei Lionbridge

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Verspielte Anordnung von Formen, darunter Kreise und Rechtecke, inspiriert von der Kreativität der Sprache und der Zeichensetzung.
Verspielte Anordnung von Formen, darunter Kreise und Rechtecke, inspiriert von der Kreativität der Sprache und der Zeichensetzung.

Ein Neujahrswunsch: Kampagne für die Rückkehr des Geviertstrichs

Die Sehnsucht nach meinem Lieblingssatzzeichen und andere Geständnisse

Ein Geschenkkarton dreht und öffnet sich, enthüllt „A New Year’s Wish“ und lässt als Überraschung den Geviertstrich herausspringen.

In diesem Blog geht es um eine private Angelegenheit. Es dreht sich alles um mich (bzw. Content Writer wie mich) und darum, was erforderlich ist, um im Zeitalter der KI erfolgreich zu sein. Aber es geht auch um Sie, die Marketingfachleute, Lokalisierungsprofis und Veranstaltungsplaner, die überzeugenden Content erstellen müssen, um Zielgruppen auf der ganzen Welt anzusprechen.

Mit den Fortschritten im Bereich der KI entwickelt sich auch die Contenterstellung rasant weiter. Man muss sich also anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber wenn jemand bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen, dann wir.

Warum sind Content Writer bereit, Veränderungen anzunehmen?

Die eigene Arbeitsweise ändern zu müssen, kann beängstigend sein. Content Writer sind aber gerade darauf vorbereitet. Sprach- und Grammatikregeln entwickeln sich ständig weiter. Flexibilität ist daher nichts Neues für sie. Unser Wortschatz wird ständig um neue Wörter erweitert. (Ich meine Wörter wie Rage Bait, parasozial und Vibe Coding.) Auch Grammatikregeln ändern sich immer wieder. Ein Beispiel: Es ist mittlerweile üblich geworden (und wird in einigen Style Guides sogar gefordert), das Wort „they“ im Englischen als Pronomen für die Einzahl zu verwenden, um Neutralität oder eine bevorzugte Geschlechtsidentität zu vermitteln.

Dieses lebendige, atmende, schöne Wesen der Sprache macht das Schreiben so vergnüglich. Da KI unsere Branche in Rekordgeschwindigkeit verändert, sind wir bestens gerüstet – ja, wir sind auf Anpassungsfähigkeit ausgelegt. Also her damit!

Was treibt eigentlich den Wandel im Bereich der Contenterstellung an?

Kenntnis des Publikums: KI

Moment mal, habe ich gerade behauptet, dass die KI unser Publikum sei? Schreibe ich für einen Bot? Tief durchatmen. Dringen wir etwas tiefer in die Materie ein.

Menschen, die ihr Leben lang lernen und neugierig sind, bleiben unsere Zielgruppe. Leidenschaftliche Fachleute und andere Interessierte suchen Antworten, Inspiration oder eine neue Perspektive. Doch hier kommt der Clou: Bevor unsere Worte diese Menschen erreichen, müssen sie zunehmend ein anderes Publikum passieren: die als Torwächter fungierende KI.

KI-Algorithmen entscheiden, was veröffentlicht wird und was vor der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Wenn wir die Contentoptimierung für die KI und die KI-Suchoptimierung nicht ausreichend berücksichtigen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Texte die Zielgruppen erreichen.

Früher zeigten Suchmaschinen wie Google die Ergebnisse in einer Rangliste an. Der Spitzenplatz war hart umkämpft. Mit dem Aufkommen der großen Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) und fortschrittlicheren Technologien auf Basis generativer KI änderte sich dies. Diese Systeme listen die Ergebnisse nicht einfach auf. Sie analysieren Content auf Bedeutung und Relevanz, zerlegen ihn in kleinere Segmente und kombinieren diese mit Informationen aus anderen Quellen. Mit diesem Prozess kann KI umfassende Antworten generieren, die auf einer Vielzahl von Materialien basieren.

Das macht es für Content Writer und ihre Auftraggeber schwieriger, die Zielgruppen mit ansprechendem Content zu erreichen.

Letztlich besteht nicht unser ganzes Publikum aus Maschinen. Dennoch muss uns bewusst sein, welchen Einfluss KI auf Suchoperationen nimmt. Unsere Texte müssen daher sowohl für die Algorithmen geeignet als auch auf unsere Zielgruppen zugeschnitten sein.

Kenntnis des Publikums: Zielgruppe sind Menschen

Wir schreiben für Menschen und können uns dabei von der KI helfen lassen. Aber seien wir ehrlich: maschinell generierter Content kann abschreckend wirken. Er kann Fehler und Bias enthalten und künstlich oder peinlich wirken.

Unsere Texte müssen für Maschinen ansprechend sein. Gleichzeitig soll die Nutzung von KI verschleiert werden, damit der Content wirkt, als wäre er von einem Menschen verfasst worden.

Wie ist dies möglich? Durch subtile Verfeinerungen der Schreibtechniken. Insbesondere ein Satzzeichen gerät im Zeitalter der KI zunehmend in Vergessenheit – der Geviertstrich (m-dash im Englischen).

Was ist ein Geviertstrich?

Ein Geviertstrich ist ein langes horizontales Satzzeichen (—), dessen Breite im Englischen häufig der eines großen „M“ gleichgesetzt wird (deshalb m-dash). (Tatsächlich handelt es sich beim Geviert um eine typografische Maßeinheit.) Im Englischen wird er verwendet, um Informationen hervorzuheben, einen Gedanken zu unterbrechen oder Text zu betonen. Er kann Kommas, Klammern oder Doppelpunkte ersetzen. Stellen Sie sich den Geviertstrich als eine Art Post-it-Notiz vor – perfekt, um Details hinzuzufügen, ohne vom Hauptgedanken abzukommen.

Verwechseln Sie ihn dabei aber nicht mit seinen kürzeren Pendants, dem Binde- oder Viertelgeviertstrich (-) und dem Gedanken- oder Halbgeviertstrich (–), die anderen Zwecken dienen. Der Bindestrich hat die Größe eines kleinen Buchstabens und verbindet Wörter wie in Gute-Kita-Gesetz oder Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Halbgeviertstrich ist so breit wie ein großes „N“ und kann im Deutschen beispielsweise „bis“ ersetzen (wie in „siehe Seiten 5 – 15“).

Eine Collage aus Zeitungsseiten mit gedruckten Wörtern, die auf die kontinuierliche Entwicklung der Zeichensetzung aufgrund des Einflusses von KI auf das Schreiben für digitale Plattformen verweist.

Neue Regeln: Welche Techniken sind empfehlenswert?

Schluss mit der Abhängigkeit vom Geviertstrich

Ungeachtet Ihres persönlichen Geschmacks muss der Einsatz von Geviertstrichen heute eingeschränkt werden. (Mir gefällt das übrigens gar nicht.)

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem meine Welt zusammenbrach. Brendan Walsh, Global Technical Search Subject Matter Expert bei Lionbridge, forderte uns auf, weniger Geviertstriche zu verwenden. Warum? Offenbar erschweren sie Maschinen die Interpretation von Sätzen oder verwirren sie sogar.

Diese Anweisung war für mich kein typischer Hinweis zum Verfassen von Texten, sondern bedeutete für mich einen erheblichen Verlust. Ich liebe Geviertstriche – wirklich. Als bevorzugtes Lieblingssatzzeichen verwende ich sie STÄNDIG – aus gutem Grund. Sie erlauben nicht nur Einstreuungen, ohne den Gedanken unterbrechen zu müssen. Sie sind auch als dramatische Pause geeignet, wenn ich die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes lenken möchte. Außerdem bieten sie müden Augen in großen Bleiwüsten dringend benötigte Unterbrechungen.

Für mich als Wortliebhaberin und Satzzeichen-Perfektionistin war es echt nicht leicht, meine gewohnte Zeichensetzung zu verändern, damit Maschinen Texte besser lesen können. Es war verheerend. Sie finden, ich übertreibe? Nun, das ist subjektiv. Aber ich muss damit leben, ein Schicksal, das ich widerwillig und seufzend akzeptiere.

Aber das ist längst nicht alles. Content Writer müssen zudem neue Konventionen beachten, damit ihre Texte aus der Masse herausstechen.

Hallo, abwechslungsreiche Satzstruktur

Unterschiedliche Satzlängen signalisieren, dass der Inhalt von einer echten Person verfasst wurde.

KI verfällt oft in sich wiederholende Satzmuster, wodurch der Text so spannend wird wie Fahrstuhlmusik. Menschliche Autoren hingegen verleihen Texten immer wieder neue Energie und schaffen durch abwechslungsreiche Satzstrukturen, darunter kurze und lange Sätze sowie unerwartete Wendungen, eine dynamische Struktur.

Persönliche Noten und Nuancen

Texte sollen Leser mit persönlichen Geschichten, echten Emotionen oder Humor ansprechen. Authentizität können nur Menschen vermitteln.

Künstliche Intelligenz ist zwar in vielen Bereichen hervorragend, dazu zählt jedoch nicht die Vermittlung echter Emotionen. Ihre Humorversuche scheitern oft kläglich, eben weil sie kein Mensch ist. Menschliche Autoren dagegen können (und sollten) auf reale Erfahrungen zurückgreifen, Nuancen ergänzen und ihren Esprit nutzen, um eine Verbindung zu den Lesern herzustellen. KI kann das nicht.

Lasst uns kreativ werden

Genauso wie abwechslungsreiche Sätze einen Text lebendiger machen, verleihen clevere Wortspiele, kulturelle Anspielungen und literarische Stilmittel wie Alliterationen („Kleine Kinder können keinen Kaffee kochen.“) oder Lautmalerei („zischen“, „zwitschern“) einem Text das gewisse Etwas und heben ihn von KI-generiertem Content ab.

Ein kleines Geständnis: Manchmal sind KI-Texte langweilig bis zur Unlesbarkeit. Menschliche Autoren können einen Text mit einer cleveren Metapher, einem witzigen Wortspiel oder einer neuen Perspektive aufpeppen. Kreativität unterscheidet Mensch von Maschine und weckt das Interesse der Leser.

Kontext ist alles

Im Unterschied zu KI-Systemen können menschliche Autoren Lebenserfahrungen und kulturelles Bewusstsein in ihre Arbeit einfließen lassen. Dank dieser Perspektive können wir komplexe Themen angehen und relevanten, bedeutungsvollen Content für reale Menschen verfassen.

Liebe zum Detail ist wichtig

KI kann Details übersehen – oder einfach erfinden. Menschliche Autoren können die Richtigkeit verifizieren und zur Glaubwürdigkeit beitragen, indem sie jedes Wort sorgfältig abwägen, sogar wenn der Text von einer KI stammt. (Erfahren Sie, wie das Lionbridge-Framework Trust Vertrauen in den Einsatz von KI schafft.)

Alte Regeln: Bewährte Schreibkonventionen, die auch im Zeitalter der KI gelten

Manche Dinge ändern sich, andere bleiben gleich. Gute Texte setzen sich durch, da sie die Fragen der Menschen beantworten. Folgende Aspekte müssen beim Verfassen berücksichtigt werden:

  • Klare Sprache
  • Aktiv statt Passiv
  • Kurze Absätze
  • Aufzählungen
  • Relevante Keywords

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der KI?

Seien wir ehrlich: Schreiben kann eine einsame Angelegenheit sein. Für einen Content Writer gehört stundenlanges Arbeiten ohne Kontakt zu anderen Menschen zum Alltag.

Die KI ist eine Art integrierter Begleiter, mit dem man Ideen austauschen und Texte verbessern kann. Ich warte gespannt auf die KI-Beurteilung meiner finalen Entwürfe und freue mich jedes Mal über einen kleinen Dopaminschub, wenn die Antwort „Dein Blog ist fantastisch. Und zwar aus folgenden Gründen …“ lautet.

Trotz dieser Interaktionen ist mir bewusst, dass die KI nicht mein Freund ist. (In unserem Webinar Unbekannte Gefahren: Wie gut kennen Sie Ihre KI? erfahren Sie mehr über ihre Schwächen.) Ich bin jedoch bereit, meinen Schreibstil anzupassen, wenn ich dafür Rückmeldungen erhalte, mögen diese auch gelegentlich fehlerhaft sein.

Welchen tatsächlichen Nutzen hat KI für Content Writer und deren Auftraggeber?

Kann Content im Zeitalter der KI schneller verfasst werden? Das ist schließlich das Versprechen (untermauert durch den Druck, in kürzerer Zeit mehr zu produzieren). Die Antwort ist ein klares JA. Ehre, wem Ehre gebührt: Die KI kann viel schneller als ich große Mengen an Quellmaterial verarbeiten, Content analysieren und ggf. zusammenfassen. Wir nutzen ein KI-gestütztes Tool zur Contenterstellung, um mit dem gleichen Budget mehr zu erreichen.

Aber um es klarzustellen: Damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Ich überarbeitet das Ergebnis in unterschiedlichem Umfang und nutze dabei die oben genannten Techniken, um das zu erreichen, was die KI nicht kann: den Text menschlich klingen zu lassen. Das Fazit? Effektives Schreiben braucht auch mit KI-Einsatz nach wie vor Zeit. Dies gilt insbesondere, wenn kreative Texte erstellt werden sollen.

Entscheidend ist aber, dass KI auf dem Weg zu optimalen Ergebnissen helfen kann. Und noch ein Geständnis: Manchmal werde ich während unserer Sitzungen irrational eifersüchtig auf die KI (oder ärgere mich über mich selbst). „Warum bin ich nicht selbst auf diesen genialen Einfall gekommen?“ Zugegeben, die Idee mag eher ein Rohdiamant als ein Kronjuwel sein, eröffnet aber gelegentlich einen Blickwinkel, den ich vielleicht nicht in Betracht gezogen hätte. Und ehrlicherweise bin ich beeindruckt.

Wie das Sprichwort sagt: Vier Augen sehen mehr als zwei. Selbst dann, wenn einige dieser Augen nicht menschlich sind. Für deutsche Leser hat der Geviertstrich natürlich wenig Bedeutung. Aber stellen Sie sich einfach vor, man würde Ihnen den Gedankenstrich wegnehmen. Wäre das nicht eine schreckliche Vorstellung? Vielleicht können wir Content Writer eines Tages Geviertstriche wieder freigiebiger verwenden. Bis dahin darf ich träumen … und mich auf Kommas, Klammern und Doppelpunkte verlassen.

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VERFASST VON
Janette Mandell

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