Lokalisierung von Software: Zehn Dos and Don’ts, die Sie berücksichtigen sollten

Zuletzt aktualisiert am: März 30, 2020 12:38AM

Die Begriffe Lokalisierung und Übersetzung werden häufig synonym verwendet. Doch auch wenn sie sich teilweise überschneiden, ist die Softwarelokalisierung deutlich komplexer. Ein Produkt oder einen Inhalt an eine spezifische Region oder einen spezifischen Markt anzupassen, bedeutet, dass Sie auch die Grafiken, Layouts, die Formatierung und alles dazwischen anpassen müssen. Darüber hinaus müssen selbstverständlich die rechtlichen Vorgaben, die Compliance im Umgang mit Daten, Gerätepräferenzen und Technologietrends in diesen Märkten berücksichtigt werden.

Angesichts all der kulturellen Besonderheiten lassen sich schnell Elemente übersehen, die belanglos erscheinen, für die Lieferung eines fehlerfreien Produkts an das größtmögliche Publikum jedoch entscheidend sind. Womit sollten Sie also anfangen? Im Folgenden finden Sie Best Practices für die Softwarelokalisierung und wichtige Tücken, auf die Sie achten sollten.

Entwickeln Sie eine Strategie für die Lokalisierung.

Do approach localization as a strategy.

Das Wichtigste zuerst: Sie müssen sich darüber im Klaren sein, wie die Softwarelokalisierung zu Ihren ganzheitlichen Zielen beitragen wird. Legen Sie ein besonderes Augenmerk auf die Anforderungsanalyse und den Entwurf, damit die Lokalisierung garantiert gelingt. Stellen Sie darüber hinaus sicher, dass sich alle Stakeholder hinsichtlich der Zielmärkte, Sprachen und der jeweiligen spezifischen Probleme einig sind.

Entwickeln Sie eine Strategie für die Softwarelokalisierung, die Sie bei all Ihren Projekten anwenden, um weltweit erfolgreich zu sein. Wenn Sie die weltweite Nutzung zu Ihrem Ziel machen, können Sie Marktchancen wahrnehmen, ohne Ihre Strategie überarbeiten zu müssen.

Denken Sie schon in der Entwurfsphase an die Lokalisierung.

Don’t forget to design with localization in mind.

Mit einem lokalisierungsfreundlichen Entwurf reduzieren Sie Verzögerungen und Budgetüberschreitungen. Verwenden Sie einen Quellcode und eine Struktur, die Folgendes verhindern:

  • Kopien von in den Quelldateien vorhandenen Fehlern in den Zieldateien
  • vermeidbare Übersetzungsfehler
  • häufige Fehler im Zusammenhang mit der Softwarelokalisierung, darunter Funktions- und Anzeigefehler, Abkürzungen sowie übermäßige oder mangelnde Lokalisierung

Tipp: Mithilfe von Vorlagen können Sie eine konsistente Markenpräsenz sicherstellen. Wenn Sie sicherstellen möchten, dass Ihr Entwurf lokalisierungsfreundlich ist, testen Sie ihn immer wieder. Mithilfe einer Pseudo-Lokalisierung (einer Art der Qualitätssicherung) lassen sich potenzielle Übersetzungsprobleme, beispielsweise Layoutprobleme der Benutzeroberfläche durch Sonderzeichen oder die Länge der Strings, aufdecken und Risiken minimieren.

Erstellen Sie eine Bibliothek mit internationalisierten Objekten.

Do build a library of internationalized objects.

Denken Sie daran: Internationalisierung macht die Lokalisierung möglich. Durch eine Bibliothek mit internationalisierten Objekten ersparen Sie sich Überarbeitungen im Zusammenhang mit der Softwarelokalisierung in mehrere Sprachen. Beispiele für solche Objekte:

  • Designelemente der Benutzeroberfläche
  • Sortierungs- und Suchfunktionalität
  • Unterstützung für Multi-Byte-Zeichen (für asiatische Sprachen)
  • bidirektionale oder Rechts-nach-Links-Unterstützung (Arabisch und Hebräisch)
  • Adress-, Zahlen-, Datums- und Währungsformate

Halten Sie den Quelltext möglichst kurz.

Don’t make source text too long.

Sprachen haben unterschiedliche Satzstrukturen, unterschiedliche Regeln für die Pluralbildung und verwenden unterschiedliche Wortmengen, um eine Idee auszudrücken. Mit klaren, präzisen Quellinhalten minimieren Sie Übersetzungsprobleme. Berücksichtigen Sie dabei Folgendes:

  • Verwenden Sie kurze Sätze.
  • Verwenden Sie möglichst die Standardsatzstellung für das Englische.
  • Verwenden Sie keine Sätze mit vielen aufeinanderfolgenden Nomen.
  • Verwenden Sie für ein bestimmtes Konzept keine Synonyme, sondern einen einzigen Begriff.
  • Verwenden Sie keine Akronyme. Diese müssen zusätzlich übersetzt werden und alle Nebenbedeutungen gehen verloren.

Tipp: Genauso wie Sie Synonyme vermeiden sollten, sollten Sie Nomen nicht verbalisieren. Das heißt: Verwenden Sie ein und denselben Text nicht in verschiedenen Kontexten. Viele englische Wörter können gleichzeitig Nomen und Verb sein, beispielsweise „file“, „share“ und „design“. Entscheiden Sie sich für eine Option und wenden Sie sie konsistent an.

Planen Sie Textausdehnung ein.

Do plan for text expansion.

Es wird geschätzt, dass die englische Sprache aus mehr als 1.000.000 Wörtern besteht, während die meisten anderen Sprachen weniger als 500.000 Wörter umfassen. Inhalte in englischer Sprache sind in den übersetzten Versionen daher wahrscheinlich länger oder kürzer. Beispiel: Die deutsche Übersetzung für „Have a nice day!“ lautet: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ Die Übersetzung ist somit um 125 % länger. Bei Übersetzungen vom Englischen in asiatische Sprachen lässt sich genau das Gegenteil feststellen.

Planen Sie eine Ausdehnung um mindestens 30 % bis 35 % ein und denken Sie an Weißraum. Denken Sie daran: Halten Sie den Quelltext kurz und berücksichtigen Sie die Best Practices der Softwarelokalisierung hinsichtlich Formatierung und Wortwahl.

Verwenden Sie Symbole nur sparsam.

Don’t misuse icons.

Bei den Best Practices der Softwarelokalisierung geht es natürlich nicht nur um die schriftliche Kommunikation. Auch grafische Elemente haben in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen. Symbole ohne Text haben den Vorteil, dass sie nicht übersetzt werden müssen und die Kosten reduzieren können. Nicht alle Symbole sind jedoch universell einsetzbar oder neutral.

Beispielsweise lassen sich die für die USA typischen Briefkästen in vielen anderen Kulturen nicht finden. Recherchieren Sie und vermeiden Sie Bilder von Händen, Füßen oder Tieren und andere Symbole, die unerwartete oder ungewollte Bedeutungen haben könnten.

Verwenden Sie die Kodierung UTF-8.

Do use UTF-8 encoding.

Die meisten modernen Technologien setzen standardmäßig UTF-8 ein, das beliebteste Unicode-Format. Dr. Ken Lunde, renommierter Experte in der Datenverarbeitung, nennt UTF-8 „die erste intelligente Zeichenkodierung der Welt“. Unicode wird von allen großen Hardware- und Softwareentwicklern unterstützt und ist für Standards wie XML, Java und Javascript erforderlich. Mit UTF-8 kann eine unkomplizierte und korrekte Übersetzung in alle Sprachen sichergestellt werden, insbesondere auch in die asiatischen CJKV-Sprachen (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Vietnamesisch).

Verwenden Sie keinen hartkodierten Text und keine hartkodierte Interpunktion.

Don’t hardcode text or punctuation.

Hartkodierter oder in den Quellcode eingebetteter Text muss vor der Lokalisierung extrahiert werden. Auch wenn Ihr Sprachdienstleister diesen zu übersetzenden Text mithilfe eines Parsers ermitteln kann, sollten Sie ihn in der Entwurfsphase nur sparsam einsetzen. Verwenden Sie stattdessen separate Ressourcendateien – beispielsweise für Titel, Produktnamen und Fehlermeldungen – und Ressourcenerläuterung, um Übersetzungsfehler zu vermeiden.

Tipp: Es mag verlockend erscheinen, einzelne Strings mithilfe von Platzhaltern mit hartkodierten Wörtern oder Satzteilen zu verbinden, um die Länge eines Strings zu reduzieren. Aufgrund der von Sprache zu Sprache verschiedenen Satzbau- und Grammatikregeln führt dies jedoch häufig zu Übersetzungsfehlern und falsch lokalisierten Strings. Sie sollten diese Platzhalter daher unbedingt vermeiden.

Lassen Sie sich von einem Lokalisierungsexperten beraten.

Do consult with a localization expert.

Ihr Sprachdienstleister stellt Ihnen Checklisten für die Lokalisierung für Android, iOS und Windows bereit. Er hilft Ihnen mit seinem Know-how und optimierten Prozessen, Zeit, Geld und Nachbearbeitungsaufwand zu sparen. Überlegen Sie sich vor der Softwarelokalisierung spezifische Fragen an Ihren Sprachdienstleister. Das ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Tipp: Stellen Sie Ihrem Sprachdienstleister DNT-Listen (DNT: Do Not Translate) bereit, um übermäßige und mangelnde Lokalisierung zu vermeiden. Beides kann die Codefunktionalität beeinträchtigen, wenn ein falsch übersetzter String eine wichtige Funktion im Programm hat.

Erfüllen Sie die Erwartungen nicht nur, sondern übertreffen Sie sie.

Don’t just meet expectations—exceed them.

Jedes noch so kleine Detail verdient höchste Aufmerksamkeit. Ob einfache Apps für Mobilgeräte oder komplexe Mehrplatzsysteme: Die Lokalisierung trägt entscheidend zum Absatz und zur Akzeptanz von Software bei.

Halten Sie sich an die 80-20-Regel der „Glokalisierung“ oder berücksichtigen Sie das Verhalten globaler und lokaler Kunden im Verhältnis 80:20. Wenn Sie die lokalen Märkte verstehen und bei Design und Entwicklung kulturelle Anpassungen vornehmen, erfüllen Sie die Erwartungen der Benutzer nicht nur – Sie sorgen für einzigartige Erlebnisse. Eine weltweit einsetzbare Softwareentwicklung ermöglicht Ihnen, globale Marktchancen wahrzunehmen.

Nehmen Sie noch heute Kontakt mit Lionbridge auf, um mehr über die Lokalisierung von Software zu erfahren.